Auslastung von Fahrradständern im Stadtgebiet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der erste Zwischenerfolg der Fahrradständer-Messkampagne! Von April bis Juni wurde im Forschungsprojekt Zukunftsstadt Ulm mit dem dafür von der Technischen Hochschule Ulm eigens entwickelten Bügelständer-Prototypen am Standort Neue Mitte gemessen. Das Ziel ist es mithilfe von sensorgestützter Technik abgestellte Fahrräder zu zählen, um auf einer Grundlage von Messdaten die Neue Mitte als potentiellen Fahrradständerstellplatz zu evaluieren. Somit können zukünftig sinnvolle Standorte aufgrund der Datenlage besser geplant werden. Das Ergebnis nach drei Monaten Reallabor in der Stadt ist nicht nur in der Realität am Fahrradständer eindeutig zu sehen, sondern spiegelt sich auch in den Messdaten wieder. Über das quelloffene Funknetzwerk LoRaWAN wurden die Sensordaten an das Back-End der THU versendet und in Zusammenarbeit mit der Mobilitätsabteilung der Stadt Ulm in regelmäßigen Meetings ausgewertet. Beispielhaft ist in der folgenden Abbildung 1 die Visualisierung der Messdaten im Back End vom 19. Juni dargestellt.

Abbildung 1: Visualisierung der Messdaten im Back End

Hier ist die Anzahl der gleichzeitig abgestellten Fahrräder im Bügelständer von 8 – 23 Uhr zu sehen. Der gemessene Spitzenwert wird um 10:30 Uhr erreicht. Zu diesem Zeitpunkt stehen 5 Fahrräder drin bei 8 möglichen Stellplätzen. Über den Tag verteilt erkennt man auch, dass die Anzahl variiert. Der Fahrradständer wird hauptsächlich von 9 – 17 Uhr verwendet.

Für eine umfassende Bewertung der Messdaten sind allerdings noch weitere Faktoren miteinzubeziehen. Zunächst muss der Fahrradständer in der Bürgerschaft bekannt werden, da bisher noch keiner am Standort Neue Mitte stand. Aus diesem Grund musste ein paar Wochen Vorlaufzeit gegeben werden, bevor eine erste Einschätzung der Lage durchgeführt werden konnte. Außerdem spielt das Wetter eine entscheidende Rolle. Der erste Aprilmonat war sehr regnerisch und kalt, sodass wenig Menschen Fahrrad fuhren. Deshalb wurden für die Bewertung hauptsächlich die sonnigen und warmen Tage herangezogen. Die Abbildung 1 zeigt einen warmen und sonnigen Samstag im Juni, sodass er für die Bewertung geeignet ist.

Im nächsten Schritt müssen die Messdaten mit der Realität verglichen werden, denn schon ein altes Sprichwort in der Messtechnik besagt „Wer misst, misst Mist!“. Da das Projekt Zukunftsstadt eine Erprobung der entwickelten Technologie in der Realität ermöglicht, werden aus der Messkampagne natürlich auch Erfahrungen gesammelt und Lehren gezogen, um die Methodik weiter zu optimieren. In der folgenden Abbildung 2 ist zu erkennen warum die Messdaten im Back End nicht unbedingt der Realität entsprechen müssen und eine Fehlerquote besitzen können.

Abbildung 2: Fehlerquote von "falsch" abgestellen Rädern

Trotzdem lässt sich aus dieser Situation schließen, dass das Sicherheitsgefühl der Bürger:innen größer ist, wenn der Fahrradrahmen angeschlossen werden kann. Im Zuge dessen wurde die Entscheidung getroffen eine zweite optimierte Version des Fahrradständersensors zu entwickeln. Da die erste Version nach Optimierung allerdings dem Zweck dient und schon jetzt eine Erfolgsgeschichte schreibt, wird sie noch in diesem Jahr für weitere potentielle Standorte verwendet.
Es ist zu erkennen, dass 6 Fahrräder im Fahrradständer abgestellt wurden, allerdings kein einziges Fahrrad gemessen wird. Ein Fahrrad wird nur vom System gezählt, wenn es mit dem Vorderreifen auf dem Drucksensor in der Mitte der Gitterroste steht. In diesem Fall wurden die Fahrräder einfach durchgestellt, sodass eine hohe Fehlerquote entsteht. Im weiteren Verlauf wurde also eine weitere Querstange an der Hinterseite angebracht, sodass ein Durchstellen nahezu unmöglich und die Fehlerquote minimiert wurde.

In Anbetracht aller Einflüsse wurde am Ende der ersten Messkampagne die Bewertung getroffen, dass der Standort Neue Mitte sich als Stellplatz qualifiziert. Die Messdaten zeigen zu den Stoßzeiten an den Wochenenden selbst mit Fehlerquote eine Auslastung des Fahrradständers von 50%. Die Realität zeigt sogar eine noch höhere Besetzung, sodass daraus zu schließen ist, dass der Bedarf eines Fahrradständers an diesem Standort besteht. Seit Mitte Juli läuft nun schon die zweite Messkampagne. Der Prototyp steht in der Lautengasse und zählt die abgestellten Fahrräder vor Ort. Im weiteren Verlauf des Projekts ist außerdem geplant die Messdaten auf der Datenplattform der Stadt Ulm zur Verfügung zu stellen.