Den Eselsberg neu entdecken

Kai Weinmüller vom Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung (unw) e.V. erklärt bei einem Stadtteilspaziergang am alten Eselsberg die Funktionsweise eines intelligenten Hochbeets. Foto: Stefan Loeffler

Ein Spaziergang an der frischen Luft ist gesund und stärkt die Abwehrkräfte. Eine Runde am alten Eselsberg ist zudem noch äußerst informativ.  
Denn in diesem Stadtquartier passiert im Moment viel, wie Kai Weinmüller vom Ulmer Initiativkreis nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V. erklärt, den wir durch das Viertel begleiten. Los geht es an der Quartierszentrale im Stifterweg 98 in der Ladenzeile. Hier befindet sich mit einem intelligenten Hochbeet schon das erste Objekt, das im Rahmen des Landesförderprojekt zukunftskommune@bw umgesetzt wurde.

Zur Erinnerung: Gemeinsam mit der Bürgerschaft sammelte das Team der Digitalen Agenda der Stadt Ulm seit 2019 Vorschläge und lotete aus, wie digitale Lösungen das Leben am Eselsberg einfacher und bequemer machen können. Von den insgesamt 59 Vorschlägen, die bei einer Bürgerwerkstatt in der Lukaskirche sowie bei einer Online-Beteiligung zusammengetragen wurden, werden zwölf Ideen Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt.
Und dazu gehört eben auch Urban Gardening. So nennt man das, wenn freie Flächen in einer Stadt gemeinschaftlich mit Gemüsebeeten bereichert werden. Am Eselsberg stehen nun vier Hochbeete, die dank digitaler Technik autark
Regenwasser sammeln. Kai Weinmüller: „Der Strom aus der gewonnenen Sonnenenergie versorgt Sensoren und eine Wasserpumpe, so dass das angebaute Gemüse automatisch bewässert wird.“ Und: Die Sensormessdaten können im Internet von allen verfolgt werden. Die Hochbeete findet man in der Ladenzeile am Stifterweg, am Kelternweg 30, am Traminerweg 64 und im Stadtteilgarten im Lehrer Tal.


Weiter geht es in Richtung Fort Unterer Eselsberg, wo wir im benachbarten Park auf einen ganz besonders leckeren Aspekt der Spaziergangs treffen, nämlich auf Apfel- und Birnbäume. Kai Weinmüller macht sich lang und streckt eine Hand nach oben. Nachahmung durchaus erwünscht: „Das Obst kann man ohne schlechtes Gewissen abernten.“ Denn auf einer bundesweiten Online-Plattform, auf der man mit einer digitalen Übersichtskarte Obstbäume und Sträucher findet, die man legal abernten kann, ist auch der Eselsberg vertreten. Die Angaben dazu stammen aus der städtischen Datenbank für Bäume und Sträucher. Alle Ulmerinnen und Ulmer können weitere Obstbäume und -sträucher nun auch im Internet unter essbare-stadt.net/ulm eintragen oder sich informieren, wo das Ernten erlaubt ist.
 

Im Anschluss geht es über den Trollingerweg zum Stifterweg 113. An diesem Haus, der letzten Station des Spaziergangs, zeigt Kai Weinmüller auf eine Photovoltaik-Anlage, die an einem der Balkone angebracht ist: „Hier erzeugen die Bewohner Strom, den sie selbst nutzen können.“ Denn wer zur Miete wohnt, hat selten die Gelegenheit, mit Hilfe der Sonnenstrahlung zusätzlichen Strom für den Haushalt zu erzeugen. Nicht so am Eselsberg, wo nun im Rahmen der zukunftskommune@bw erste Photovoltaik-Anlagen auch noch an Balkonen im Traminerweg 64 sowie im Trollingerweg 33 installiert wurden. Etwa 30 bis 40 dieser Anlagen sollen es bis Ende des Projekts in einem Jahr noch werden, so Kai Weinmüller, der erklärt, dass der Antrag für solch eine Anlage im Zuge des Projekts von den Stadtwerken nun deutlich vereinfacht und auf eine Formularseite reduziert wurde. „Das war bisher ein richtiger Hemmschuh“.
Den sollte man sich am Eselsberg auf keinen Fall anziehen, sondern sich auf den Weg machen.
Wer Lust auf den Spaziergang und den persönlichen Austausch mit anderen bekommen hat, der kann sich Kai Weinmüller am Samstag, den 10. Oktober um 15 Uhr noch einmal anschließen und den Eselsberg so auf eine ganz neue Art für sich entdecken.

Broschüre mit Routenvorschlägen

Wer die ersten Umsetzungen des aktuellen Projekts selbst erkunden möchte, findet auf wetterbeständigen Hinweisschildern weitere Hintergrundinformationen. Entsprechende Faltbroschüren mit Straßenkarte und Routenvorschlägen liegen unter anderem in der Quartierszentrale im Stifterweg 98 und in der Stadtteilbibliothek Eselsberg aus. Zudem informiert ein Bildschirm im Schaufenster der Quartierszentrale über die einzelnen Projekte.

Die Faltbroschüre gibt es hier.