Fünf digitale Projekte auf dem Weg zur Smart City

Symbol Behindertenparkplatz

Wissen, wo Parkplätze für mobilitätseingeschränkte Personen frei sind. Ulmer Kultur erleben, im Klassenzimmer oder Zuhause auf der Couch. Eine bessere Mobilitätsplanung für die Stadt. Eine intelligente Bibliothek und eine neue Technologie für die Ulmer Nester- dahinter stehen digitale Ansätze, die dieses Jahr im Rahmen des vom Ministerium des Inneren, für Bau und Heimat geförderten Projektes Ulm4CleverCity umgesetzt werden.

Der bunte Straß an Themen, angefangen bei Mobilität über Kultur bis hin zu Sozialem wirkt auf den ersten Blick zufällig, ist es aber nicht. Ulm soll eine Smart City Strategie bekommen, die bündelt, was schon da ist und die den Weg für die nächsten Jahre aufzeigt. Die fünf ausgewählten Projekte bringen die Praxiserfahrung in die Strategieentwicklung mit allen Learnings, den neuen Netzwerken und der Zusammenarbeit mit ganz unterschiedlichen Akteuren und Zielgruppen. So wird der Weg bereitet für die Umsetzungsphase, die Ende 2021 auf die Strategieentwicklung folgt.

Im Bereich Mobilität soll eine bestimmte Zahl an Behindertenparkplätzen, sogenannte Blaue Parkplätze mit Sensoren ausgestattet werden. Die Sensoren registrieren, wenn ein Parkplatz belegt ist und geben diese Information in Echtzeit weiter. Über das Smartphone können Menschen, die auf die blauen Parkplätze angewiesen sind, sehen, ob ein Parkplatz frei ist.

Remix ist das zweite Projekt mit Mobilitätsbezug. Es handelt sich um eine Mobilitätsplattform, die die Planung von Mobilitätsdienstleistungen vereinfacht. ÖPNV, Radverkehr und Sharing-Konzepte können zusammen gedacht und gemeinsam analysiert werden. Auch die Zusammenarbeit mit Drittanbietern ist über Remix möglich. Die Analyse der städtischen Mobilitätsdaten ermöglicht ein besseres Verständnis der Gegebenheiten vor Ort und eine bessere Planung und Koordination des öffentlichen Nahverkehrs.

Im kulturellen Bereich hat Corona den Ausschlag gegeben, Kulturvermittlung insbesondere für Schülerinnen und Schüler neu zu denken und digital zugänglich zu machen. In einem ersten Schritt werden Inhalte, beispielsweise des Museums oder des Theaters digitalisiert und in Unterrichtsmodule verpackt. Die Klassen können sich mit den unterschiedlichen kulturellen Themen auseinander setzen und anschließend über Videokonferenz eine Expertin oder einen Experten zuschalten und Fragen stellen. Für den Teil des Austauschs kann die bestehende Plattform "ulm lernt" genutzt werden. Ein erster Testlauf am Schwörmontag war vielversprechend: Einige Grundschulklassen haben sich mit einem eigens produzierten Schwörmontags-Rap und dem Schwörbrief mit der Bedeutung des Schwörmontags auseinandergesetzt. Und auch wenn Corona das Projekt angestoßen hat, ist die so entstehende Infrastruktur auch darüber hinaus nutzbar und kann für weitere Zielgruppen geöffnet werden.

Auch die Bibliothek wird gemeinsam mit der Digitalen Agenda ein Projekt umsetzen, in dem intelligente Sensorik in der Glaspyramide ausgebaut wird. Der erste Schritt dahin sieht eine Intelligente Sensorik als Basis-Pilot zur Ermöglichung einer Indoor-Navigation für einen Roboter vor. So wird der Grundstein gelegt um später beispielsweise die Bibliothek auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten für Besucher und Besucherinnen zugänglich zu machen.

Gemeinsam mit dem Bereich Soziales wird eine technische Überarbeitung der Ulmer Nester umgesetzt. Das Ulmer Nest ist eine Ergänzung zum bestehenden Erfrierungsschutz in Ulm. Es ist eine Notzuflucht in Form einer Schlafkapsel, die obdachlose Menschen in besonders kalten Nächten vor lebensbedrohlichen Temperaturen, Wind und Nässe schützen soll. Das setzt eine entsprechende technische Ausstattung der Nester voraus, die zum Beispiel Informationen darüber liefert, ob sich gerade jemand in einem der Nester befindet oder wie Innen- und Außentemperatur sind. Während der Sommerpause, in der die Nester eingelagert sind, werden die Nestern an das LoRaWan Netzwerk (Long Range Wide Area Network) angebunden. Damit können von überall in der Stadt Daten gesendet und über eine Schnittstelle abgerufen werden.

Alle diese Projekte finden innovative Lösungen für aktuelle Herausforderungen und sind gut auf andere Kontexte übertragbar. Freie/ OpenSource Software-Lösungen werden proprietären Systemen vorgezogen, in denen nur der jeweilige Verkäufer von Software oder Hardware mit den Systemen arbeiten und Anpassungen vornehmen kann. Dadurch ist es beispielsweise möglich, dass auch andere Städte die in Ulm entwickelten digitalen Ansätze für sich nutzen können. So tragen die fünf Projekte nicht nur zu einem lebenswerten Ulm und zu digitalen Angeboten für die Ulmerinnen und Ulmer bei, sondern können auch außerhalb unserer Stadtgrenze wirken.