Vorstellung Prototyp einer Mobilitäts-Station am Eselsberg in der Regionalen Planungsgruppe (RPG)

Prototyp Mobilitäts-Station am Eselsberg

Am 7. April 2021 wurde der Sachstand zum Prototyp einer Mobilitäts-Station am Eselsberg von Lucia Erdt von der Geschäftsstelle Digitale Agenda in der Regionalen Planungsgruppe (RPG) Eselsberg vorgestellt. Eine Zusammenfassung der angeregten Diskussion sowie die Sitzungspräsentation (pdf, 1,8 MB) sind hier nachlesbar.

Zum Hintergrund: An der Eselsbergersteige auf Höhe der Studierendenwohnanlage beim Sebastian-Kneipp-Weg entsteht im Förderprojekt Zukunftskommune@bw bis Ende 2021 ein Prototyp für eine Mobilitäts-Station. > Zum Projektsteckbrief


Fragen & Antworten aus der RPG-Sitzung

Warum ist das ein Prototyp für eine Mobilität-Station?

In Ulm gibt es noch keine Mobilitäts-Stationen. Wir wollen lieber an der Planung und agilen Umsetzung eines ersten Prototyps lernen, statt im Großen Fehler zu machen. Die Strategische Mobilitätsabteilung arbeitet bereits konzeptionell an dem Thema Mobilitäts-Stationen in Ulm und beschäftigt sich bereits initial mit ersten Fragestellungen zu einer E-Ladeinfrastruktur in Ulm. Auch wird an Carsharing-Ausschreibungen gearbeitet.
Im Kontext des Förderprojektes Zukunftskommune@bw geht es auch darum den Nutzen von digitalen Lösungen zu erproben und aufzuzeigen. Erstmals werden an Carsharing und Bikesharing-Anbieter vertragliche Bedingungen für Mobilitätsdatenlieferungen gestellt.
Erfahrungen aus dem Prototyp am Eselsberg und Rückmeldungen aus der Bürgerschaft teilen wir mit den Kolleg:innen der Strategischen Mobilitätsabteilung. Das geht z.B. los bei der Frage welche gestalterischen Entscheidungen welche finanziellen und vertraglichen Folgen haben - auch im Hinblick auf die potentielle Umsetzung vieler weiterer Mobilitäts-Stationen.

Warum gibt es nur eine Mobilitätsstation, an der man die Fahrzeuge wieder zurückbringen muss? Fahrzeuge anderswo abzustellen wäre doch praktischer.

Das Budget aus dem Förderprojekt ist begrenzt, sodass es nicht für mehrere Standorte von Mobilitäts-Stationen am Eselsberg ausreichte. Sogenannte Floating-Systeme (die Rückgabe des ausgeliehenen Fahrzeuges ist nicht stationsgebunden) erfordern z.B. eine räumliche Mindestmenge an Fahrzeugen und eine intelligente räumliche Verteilung an buchbaren Fahrzeugen, komplexere Verträge/ggf. nächtliches Neuverteilen von Fahrzeugen usw.

Warum sind der Stadt die Lieferung von Mobilitätsdaten seitens der Anbieter in diesem Projekt so wichtig?

Diese Mobilitätsdaten sind Voraussetzung um verwaltungsintern steuernde Rückschlüsse zur Nutzung und Akzeptanz der Angebote für die Planung weiterer Mobilitäts-Station zu ziehen - aber auch um die Verkehrsmittel intermodal und intelligent perspektivisch in die Routenplanung einbeziehen zu können. Damit Bürger:innen in Ulm irgendwann nicht 5 Apps unterschiedlichster Anbieter öffnen müssen, wenn Sie intelligent von A nach B kommen wollen, sind solche Daten für die Routenauskunft so wichtig. Wo steht welches Sharing-Verkehrsmittel - und ist es gerade frei? Eine intelligente Routenplanung zeigt auf, in welcher Reihenfolge man welches buchbare Verkehrsmittel nutzen kann, um schnell zu einem Zielort zu kommen. Die durchgängige Buchbarkeit von öffentlichen und Sharing-Verkehrsmittel mit einem Account ist dabei aktuell leider eher noch eine schöne Vision, auf die viele Schritt für Schritt hinarbeiten.

Ein Beispiel für eine Karte, auf der alle Verkehrsmittel verschiedener Anbieter in einer Anwendung zu sehen sind, ist im bereits beendeten Förderprojekt Shareplace der Digitalen Agenda der Stadt schon erprobt worden. Hier in dieser Online-Karte sieht man beispielsweise die herumstehenden ausleihbaren E-Scooter aller in Ulm operierenden E-Scooter-Anbieter auf einen Blick. Sie ersparen sich also, in 4 verschiedene Apps von E-Scooter-Anbieter gehen zu müssen. Ein sinnvoller nächster Schritt wäre es, die dass die integrierte Routenauskunft in dieser Internetkarte auch z.B. die E-Scooter in die Routenvorschläge mit einbezieht..

Was bleibt nach dem Förderprojektende ab Januar 2022 bestehen?

Das E-Auto, die E-Lastenräder, die E-Ladesäule, Radservice-Station und Fahrradständer sowie der öffentliche Ladepunkt bleibt sicher. Im Zuge der Stadtweiten Carsharing-Ausschreibung werden die Carsharing-Anbieter für diesen Standort auch neu ausgeschrieben werden. Für die Übergangszeit von Januar 2022 bis zu dem Zuschlag dieser Ausschreibung können die Carsharing-Anbieter aus dem Projekt zukunftskommune@bw über eine Sondernutzungserlaubnis dort weiter ihre Carsharing-Autos anbieten. An diese Sondernutzungserlaubnis wird die weitere Mobilitätsdatenlieferungen gebunden sein.

Wie kommt es, dass an diesem Standort E-Lastenräder und eine Radservice-Station erprobt werden?

Im Juli 2020 fand vor Ort ein Gespräch mit Studierendenvertretern der dortigen Wohnanlage statt. Von den 500 Wohnheimplätzen sind ca. 300 an Studierende aus dem Ausland vergeben. Die Studierendenvertreter meldeten zurück, dass an den Carsharing-Autos eher kein Interesse besteht - aber an einer Transportmöglichkeit für kleinere Lasten und an einer Radreparatur-Station. Da die Wohnheimzimmer möbliert sind, ist eine Nachfrage nach einem Transportmittel da, mit der sich v.a. größere Einkäufe komfortabel transportieren lassen. Bei E-Lastenrädern ist die Ausleihung auch nicht an eine anerkannte internationale Fahrerlaubnis (Führerschein) gekoppelt.

Warum wurde bei den E-Lastenrädern kein Ulmer Anbieter ausgewählt, das wäre für die Wartung doch viel einfacher?

Wir haben angesichts der sehr hohen Kosten für Behausungen (z.B. Radcontainer oder Radhäuser) nach E-Lastenrad-Lösungen gesucht, die ohne Radhaus/Container ausleihbar, sicher anschließbar und aufzuladen sind. Das ist überall dort sinnvoll, wo es sich erst beweisen muss, dass die Ausleih-Räder auch die erhoffte Nachfrage erfahren und eine 5-stellige Investition für ein Radhaus/Container dafür vertretbar ist. Mit sigo.green aus Karlsruhe haben die SWU und wir einen Hersteller gefunden, der trotz der geringen Abnahmezahl nach Ulm kommt und am Markt bereits sehr erfolgreich ist. Unser Partner für Elektro-Mobilität im Projekt, die SWU, wird 2 diese e-Lastenräder von sigo am Eselsberg anbieten. Das hat für die Bürger:innen unter anderem den Vorteil, dass alle die Carsharing-Autos und die E-Lastenräder in der gleichen App mit einem Login buchen  - und auch die bei der SWU etablierte Hotline auch für die Lastenräder mitnutzen können.

Ist es nachhaltig, wenn ein Anbieter aus Karlsruhe zur Wartung der E-Lastenräder nach Ulm kommt?

Sigo hat entlang der Achse Karlsruhe - München mehrere Kunden. Der Hersteller Sigo setzt in Deutschland auf den Aufbau von räumlich verteilten Servicepunkten, von denen aus die Wartung gemacht wird. Es setzen immer mehr Städte im Süden Deutschlands auf sigo. Damit wird auch die Dichte der Servicepunkte steigen und die Anfahrt perspektivisch kürzer werden. Unser Partner für E-Mobilität am Prototyp, die SWU, hat zudem die Möglichkeit im Zuge der Service/Wartung am abgestellten SWU2go-Auto zusätzlich nach dem Rechten zu sehen.
Die generelle Frage der Nachhaltigkeit bei Angeboten im Bereich Elektromobilität stellt sich zurecht. Diese schont die Umwelt dort, wo die Elektroverkehrsmittel gefahren werden. Fragen zu Umweltschädigungen in anderen Ländern z.B. bei der Gewinnung der notwendigen seltenen Erden, des CO2-Ausstoß bei der Herstellung der Stromspeicher und Entsorgungsproblematiken von z.B. defekten Lithium-Ionen-Batterien wird vor Ort und auch bei den Nutzer:innen gerne ausgeblendet. In sozialer Hinsicht stellt der Kauf eines E-Autos für viele wirtschaftlich nicht so gut gestellte Mitbürger:innen noch ein finanziell schier unüberwindbares Hindernis dar. E-carsharing kann zumindest eine persönliche Option für umweltfreundlicheren lokalen Individualverkehr für alle darstellen, die die Anschaffung eines eigenen E-Autos aus unterschiedlichen Gründen nicht umsetzen können.

Schaut jemand regelmäßig nach den eLastenrädern?

Es gibt einen Wartungsvertrag sowie eine zentrale Eingangs-Hotline für Probleme/Support - auch für die E-Lastenräder - bei der SWU. Auch der Hersteller Sigo selbst macht regelmäßige Servicefahrten um den Zustand der Räder zu überprüfen. Die E-Lastenräder am Standort haben offene Transportbehälter am Rad. Erfahrungen anderer Städte zu solchen Lastenrädern sind unterschiedlich und hängen auch von den Standortgegebenheiten ab (z.B. Laub von Bäumen, und ob Passanten das E-Lastenrad als "Mülleimer" sehen).

Werden die E-Lastenräder überhaupt genutzt werden?

Die Studierendenvertreter sahen darin eine Nachfrage. Coronabedingt (Onlinevorlesungen) sowie Semesterferienbedingt wird es in der Zielgruppe der dort lebenden Studierenden aber vermutlich signifikante Schwankungen in der Nutzung geben. Auch sind Ausleihungen bei Regen/Schnee mit Sicherheit deutlich geringer. Die Auswertungen werden uns hierzu über die Jahreszeiten auch über das Förderprojektende hinweg erste Rückschlüsse liefern.

Wird an dem Prototyp eine Schnell-Ladesäule kommen?

Nein, es wird eine AC-E-Ladesäule mit 22 KW (Normal-Ladesäule) mit zwei Ladepunkten kommen. Einer davon wird der Öffentlichkeit zum Laden zur Verfügung stehen.

Gibt es eine zeitliche Beschränkung für das Aufladen an dem öffentlichen Ladepunkt der Ladesäule?


Normale Ladesäulen dürfen 3 Stunden für den Ladevorgang belegt werden. Schnellladestationen nur 2 Stunden.

Gehen Sie davon aus, dass Bürger:innen wegen der Angebote an dem Prototyp auf ein eigenes Privatauto verzichten?

Nein. Die Pilotierungszeit innerhalb des Förderprojektes bis Ende 2021 ist hierfür zu kurz. Wir gehen eher davon aus, dass Nutzer:innen, denen die Angebote der Mobilitäts-Station als Alternative nach längerem Testen und Ausprobieren ausreichen erst dann überlegen das eigene Auto aufzugeben, wenn sie vor der Frage des Neukauf eines Autos stehen.

Ideen und Anregungen von Teilnehmenden der RPG-Sitzung:

  • Wäre es nicht sinnvoll, wenn der Prototyp eine Parkraumüberwachung hat? Für den Fall, dass andere Autos unerlaubterweise auf den Carsharing-Stellflächen parken?
  • Könnte man nicht die Engagierten in der Radwerkstatt der Uni bei der Wartung der E-Lastenräder oder für die Radservice-Station einbinden?
  • Es wäre gut, wenn es eine zeitliche Begrenzung für das Aufladen an Ladesäulen gäbe. Oder eine Strafgebühr, wenn jemand zu lange lädt - weil er mehr das kostenlose Parken und weniger das Laden im Auge hatte.