Wie sieht eine digitale Verwaltung in einer digitalen Stadt aus? Von der Zukunftsstadt 2030 zu Ulm4CleverCity

Was zunächst als Mammutaufgabe für Stadtverwaltungen im Allgemeinen klingt, hat Prof. von Lucke relativ schnell auf fünf wesentliche Schwerpunkte heruntergebrochen: Das Internet im Allgemeinen als zukünftig weiterhin wichtige Rolle, Soziale Medien als das Internet der Menschen, das Internet der Daten, indem meine Daten gesammelt werden und gleichzeitig wichtige Impulse für die Verwaltungsarbeit liefern. Darüber hinaus das Internet der Dinge wie auch eine Netzwerkkommunikation in Echtzeit, was künstliche Intelligenz beispielsweise in Form von helfenden Robotern ermöglicht. Besonderes Augenmerk legte von Lucke dabei auf Ansätze ausgerichtet auf den Menschen: die Bürger*innen bedienen sich am digitalen Verwaltungsangebot. Sie nutzen die Verwaltung für ihre Bedürfnisse und Bedarfe. Dabei spielt Zeit für von Lucke eine erhebliche Rolle. Digitalisierung beschleunigt die gesamte Verwaltungslandschaft massiv. Dabei bleibt es nicht aus, auch Räume des Experimentierens zu finden und zuzulassen. Denn die Digitalisierung bietet enorme finanzielle Einsparpotentiale. Sein Beispiel zeigte eine Einsparung von mehr als 77% der ursprünglichen Kosten auf. Nicht außer Acht zu lassen ist dabei jedoch immer der Bürger und die Bürgerin. Sie stehen im Mittelpunkt allen Handelns. Von Lucke betonte nochmal die Rolle der Verwaltung. In dem Moment, wo sie sich stärker öffnet, können die neuen technischen Zugänge wie Soziale Medien genutzt werden, um offen zu informieren. Das beeinflusst nicht nur die Herangehensweise an neue Probleme, sondern auch das Potential mit großen Gruppen. All das sind neue Wege, die mithilfe der neuen Technik möglich sind. Aber, so Jörn von Lucke, es müssen immer sichere Lösungen gesucht werden, um die gesendeten Daten zu schützen. Denn egal wie das neue intelligent vernetze Verwaltungshandeln sein wird und welche Vorteile es mit sich bringt. Wir müssen uns immer die Frage stellen, welche smarten Geräte wollen wir und welche nicht und wie binden wir sie in Systeme ein. Je nach Land gibt es schon jetzt erhebliche Unterschiede, beispielsweise China mit wenig Datenschutz. Für Ulm steht ganz klar der Mensch im Mittelpunkt des Wandels. Seit nunmehr über zehn Jahren gibt es verschiedene Einzelprojekte, die alle ein Gesamtbild für die Donaustadt und ihre Digitalisierung ergeben. Zentral steht dabei immer die Bürger*innenbeteiligung. In den unterschiedlichen Vorhaben dreht es sich stets um eine Frage: Wer möchte was für eine nachhaltige, digitale, offene und smarte Stadt Ulm leisten?

Diese wegweisende Frage hat sich auch die Ulmer Stadtverwaltung gestellt, an diesem Abend vertreten durch den ersten Bürgermeister Ulms, Martin Bendel. Sie kam zu dem Schluss, dass es nur mit entsprechenden Rahmenbedingungen (Roadmap, Digitale Stadt und/oder Smart City Strategie) funktionieren wird. Auch hier lässt sich ganz klar erkennen, dass der Bürger und die Bürgerin im Mittelpunkt allen Handelns stehen, egal ob es um die Vision, Ziele oder Leitlinien geht. Digitalisierung kann dabei immer nur das unterstützende Instrument sein, das den Menschen in Ulm einen Mehrwert bringt. In der Vision einer digitalen Stadtverwaltung zeigte Martin Bendel einige bereits umgesetzte Visionen für Ulm auf: der LoRaPark im Weinhof, Balkon Photovoltaikanlagen am Eselsberg oder virtuelle Nachbarschaftsangebote. Einher gehen diese verwirklichten Vorhaben mit 17 Leitlinien, die sich die Stadtverwaltung gesetzt hat. Unter anderem "So digital wie möglich, so analog wie nötig." oder "Open Data und Open Source". Mit solchen Prämissen zeigt die Verwaltung, dass sie sich bereits auf einem guten Weg befindet. Aber, so muss Bendel einräumen, es gibt noch viel zu tun. Nicht nur bei der Etablierung einer geeigneten Hardware, sondern auch in der Schulung der eigenen Mitarbeitenden und der Beteiligung der eigenen Arbeitnehmer*innen an den neuen Prozessen. Bendel sieht jedoch eine Chance in dieser Neuprofilierung der Stadtverwaltung. Das könne auch den Auftritt der Stadt als Arbeitgeberin schärfen, was sich wiederum positiv auf die Gewinnung von neuen Arbeitnehmer*innen auswirken kann. Doch damit nicht genug, so Bendel. Neben einer starken Verwaltungsspitze, die zu 100% hinter dem digitalen Wandel der Verwaltung steht, wurden neue Teams geschaffen, die sich genau mit dieser digitalen Verwaltungsmodernisierung befassen. Ein Gemeinderat, der genau solche Prozesse und Neuentwicklungen fordert, ist dabei nur von Vorteil, so der erste Bürgermeister.

Aktuell befindet sich Ulm auf einem langen Weg hin zu einer digitalen Stadtverwaltung. Mit über 3.000 Mitarbeitenden in einer überwiegend dezentral organisierten Verwaltungsstruktur ist es nicht immer leicht einheitliche, standardisierte Prozess einzuführen. Das wird jedoch u.a. mit Kooperationspartnern und den hiesigen Stadtkonzernen angegangen. Dadurch nutzt Ulm die vielen vorhandenen Kompetenzen, um die Weiterentwicklung u.a. des Dokumentenmanagementsystems oder auch die Digitalisierung von Akten voran zu treiben. Denn so Bürgermeister Bendel es ist bereits viel passiert, aber es gibt immer noch einige Schritte, die gegangen werden müssen. Z.B. stehen bereits viele Akten den Bürger*innen online zur Verfügung, aber beispielsweise ist dieser Schritt noch nicht mit Personalakten erfolgt. Von den angestrebten 386 Dienstleistungen im Rahmen des Onlinezugangsgesetzes (OZG), die bis Ende 2022 eingeführt sein müssten, sind aktuell ca. 100 umgesetzt. Damit ist die Stadt Ulm in einem föderalen System, wie es Deutschland ist, nicht alleine. Trotz allem möchte die Münsterstadt bis Ende des Jahres mindestens alle Services von Baden-Württemberg auch über das Stadtportal abbilden können. Solche Ziele gemeinsam festzulegen und anzugehen, das ist Aufgabe der Ulmer Stadtverwaltung in diesem Jahr.

 

Das Projekt "Zukunftsstadt2030 - Internet der Dinge für ALLE" wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Förderschwerpunkt Sozial-ökologische Forschung gefördert.